Sssss......eine Wespe? Nein. Nach kurzer Orientierungphase befand ich, dass ich mich an einem sommerlichen skandinavischem Abend an einem dänischen Kanal niedergesetz hatte und für eine Weile eingepennt war. Das was ich kurz darauf sah, löste in mir einen sofortigen Adrenalinstoß aus. So schnell ich konnte eilte ich, kommentiert von einem lässigem "ich glaube bei dir hat was angebissen" meines Freundes, zu der Rute welche mit ungesunder Biegung in einem Rutenhalter in der Nähe der Spundwand stand und deren Rollenbremse mich mit einem Surren geweckt hatte. Kurzer Anschlag, heftiger Wiederstand: was konnte das sein? Flunder, Dorsch oder sogar Meerforelle? Nach ein paar starken Fluchten wurde die Gegenwehr weniger und ein Fisch mit dem ich eher nicht gerechnet hatte ließ sich zum Kescher führen. Ein Brackwasserbarsch von ca. 35cm! Dieser Fisch sollte mir in den nächsten Tagen noch häufiger begegnen: nachdem ich den Kanal einmal erkundet hatte, machte ich weitere Trupps zum Teil recht kapitaler Barsche aus. Nun, da ich mich auf den neuen Zielfisch eingestellt hatte, wählte ich auch ein anderes Gerät: 6er Rute, Sinkschnur, Imitationen von Ostsee-Garnelen oder wie die einheimischen sagten "Reiher" und viel, viel Backing...
Wie sich im laufe der Zeit herausstellte sammelten sich bei auflaufendem Wasser
(Der Kanal war eine Art mini-Gezeitenstrom und verband einen Fjord mit der Ostsee) die Barsche genau unter der oben abgebildeten Zugbrücke. Einziges Hindernis war ein "Fiskeri-Forbudt" Schild, welchem wir uns gefährlich nah annäherten aber naaaatüührlich fischten wir nicht in der verbotenen Zone. Besonderen Spaß machte es die exakt 4m unter unseren Füßen stehenden Räuber mit stark beschwerten Streamern und Sinkschnur auf Sicht zu befischen. Ein trauriges Erlebnis jedoch verärgerte mich: An einem Tag hakte ich einen sehr großen Barsch der bestimmt über 50cm gemessen hätte. Nachdem ich umringt von einer Traube von Touristen den Fisch ausgedrillt hatte, versuchte ich ihn mit der Hand zu landen. Das Ergebnis: eine schnelle Flucht und der vermeintliche ermattete Fisch sprengte das Vorfach. Ein Däne der zugeguckt hatte versuchte kurze Zeit darauf später meinem Vater, der mit dem Kescher nachkahm, in der Landessprache klarzumachen, dass ich einen großen Fisch verloren hatte - dabei zeigte er völlig übertrieben mit den Händen eine Länge von mindestens 120cm. Es gibt halt auch "Zivilisten" die Anglerlatein beherrschen... In solchen Momenten kommt die Frage auf: Hätte man sich auch so gefreut wenn man den Fisch gelandet hätte so wie man sich ärgert? Zum Trost fing ich an diesem Tag aber noch ein paar andere Fische, der größte ein Stachelritter von 41cm.
Aber auch wenn die Angelmöglichkeiten auf eine Spezies noch so gut sind, suche ich doch immer nach Abwechslung. So kam es das ich mich an einem schönen Tag wieder auf Erkundungstour befand. Fast hätte ich es übersehen: von der Brücke herab machte ich einen Schwarm echter Atom-Ubote aus die gefräßig an einer Entenfütterung teilnahmen. Die Meeräsche. Den Fisch den ich wirklich am wenigsten hier erwartet hätte: es war meine erste Begegnung mit ihr doch sie faszinierte mich auf Anhieb. Also: schnell zum nächstgelegenen Supermarkt, 3 frischgebackene Weißbrote kaufen; Fliegen und Posenrute auspacken. Nach wirklich sehr massivem Anfüttern war der Schwarm von 20-30 kapitalen Meeräschen in einer Art Fressrausch. Dann passierte es: ein riesiges Monstrum von Meeräsche tauchte auf schnappte sich mein Brot an freier Leine. Zuerst merkte sie gar nicht das sie gehakt war, erst auf einen leichten Zug meinerseits kam die verhehrende Flucht: trotz optimal eingestellter Bremse zog sie in kürzester Zeit 50m Schnur ab und sprengte das Vorfach.
Es war zum heulen.... Dieser Urlaub kostete mich wirklich viel Nerven: ich hatte zwei kapitale Fische verloren, vieleicht die größten dieser Arten welche ich jemals fangen würde. Und die Moral von der Geschicht: seien sie nie zu faul ihren Kescher mitzunehmen und drillen sie lieber ein bisschen übervorsichtig.
Trotzdem bin ich der Meinung das ich auf einen schönen und fischreichen Urlaub zurückblicken kann und vieleicht hake ich den ganz großen Barsch oder die Meeräsche meines Lebens ja nochmal.